Geschichte des Dreiecks
Die Grevener Straße 31-55 ist heute der verbliebene Rest des alten Dreiecks zwischen Grevener Straße, Steinfurter Straße und Yorkring. Das Gelände war vor den Umstrukturierungsmaßnahmen ein sog. Mischgebiet mit preiswerten Wohnraum und Gewerbeansiedlungen. Coca Cola vertrieb von dort ihre Zuckerbrause, im alten TÜV-Gebäude holten sich die AutofahrerInnen ihre Plakette ab – bevor das Arbeitslosenzentrum und die Berbergilde „Wespennest“ dort einzogen – und leere Kasernen langweilten sich. In der heutigen Geschäftigkeit des Dreiecks erinnert nichts mehr an diese Zeit.
Die Planungen für die Umgestaltung begannen bereits Mitte der 60er Jahre. Nach mehreren Überarbeitungen forderte der Bebauungsplan von 1993 die Verbreiterung der Grevener Strasse, die Errichtung eines Verwaltungszentrums und überregionale, verkehrsanziehende Großmärkte. Zudem sollte der Wohnanteil auf 25 % reduziert werden. Nur wenige Monate später gründete sich der Verein „Wohnen im Dreieck“, der für den Erhalt der Häuser und die Verkehrsberuhigung der Grevener Str. eintrat. Durch verschiedene Aktionen – beispielsweise Lichterketten entlang der Straße und Pressekonferenzen – machte der Verein auf sich und die allgemeine Zerstörung preiswerten Wohnraums sowie auf die überall spürbare Veränderung des Stadtbildes aufmerksam. Doch trotz des breiten Protestes mussten die Häuser Grevener Str. 60 bis 67 weichen. An ihrer Stelle sind der Einkaufsklotz Yorkcenter und zahlreiche Parkplätze entstanden.
Läuft mensch heute durchs Dreieck, dann begegnen ihr/ihm ein trister Stilmix in Form von Unternehmenssitz der Wohn+Stadtbau, dem Gesundheitshaus, Wohn- und Bürokomplexe sowie diversen Supermärkten. Funktionalität+Effektivität scheinen hier das prägende Leitbild zu sein, für das bezahlbarer Wohnraum und soziale Projekte nach und nach verschwinden mussten.
Die Geschichte des Hauses
Ungefähr 1920 wurde das Haus, das heute die Nummer 31 trägt, erbaut. Es steht auf einem ehemaligen Kasernengelände und diente in seiner Vergangenheit als Offizierswohnheim und Kreiswehrersatzamt. Vor der Besetzung im November 1972 stand es mindestens ein Jahr leer. Erst befand es sich im Besitz des Bundesvermögensamtes, von dem es die Stadt dann kaufte.
Vor nunmehr knapp 35 Jahren wurde das Haus mit der Haus-Nummer 31 von StudentInnen, Auszubildenden und SchülerInnen besetzt. Die Besetzung war Ausdruck der schon lange schlechten Lage auf dem Münsteraner Wohnungsmarkt, auf dem es gerade für StudentInnen und andere sozial schwache Menschen kaum mehr Wohnungen gab.
1972 waren an Uni, PH und FH insgesamt 35.100 StudentInnen eingeschrieben. Ihnen stand ein Kontingent von 1.029 Wohnheimplätzen des Studentenwerks zur Verfügung. Zu Semesterbeginn waren damit von 6.000 StudienanfängerInnen 3.500 ohne Wohnung, 1.000 suchten bereits seit über einem halben Jahr. Der AStA errichtete schließlich auf der Wiese vorm Schloss Notzelte, um den Wohnungssuchenden wenigstens ein Dach über dem Kopf bieten zu können.
Zur gleichen Zeit standen in Münster aber 35 Häuser leer. Der AStA forderte die BesitzerInnen der Häuser zur Vermietung auf, doch nichts geschah. So griffen am 15.11.1972 ca. 30 Menschen zur Selbsthilfe, indem sie das leerstehende, zum Abriss freigegebene Haus in der Grevener Str. 31 besetzten. Die Besetzung wurde, Zeitungsberichten zufolge, von der Nachbarschaft sehr positiv aufgenommen: NachbarInnen kamen und boten Hilfe und Essen an; weitere Solidaritätsbekundungen aus der Bevölkerung kamen in Form von Briefen, Geld- und Möbelspenden. Nach Verhandlungen erklärte sich die Stadt schließlich bereit, das Haus vom ursprünglichen Eigentümer zu erwerben und dem AStA zur Weitervermietung an StudentInnen zu verpachten. Der Vertrag war zunächst auf zwei Jahre befristet, konnte jedoch jeweils um ein Jahr verlängert werden, so lange, bis das Haus endgültig der verbreiterten Kreuzung weichen sollte...